Ein Nachmittag in der Teeküche, an dem drei Generationen über japanisches Fuji-Kraut redeten und jeder etwas anderes sagte
3 weeks ago
Freitagnachmittag um drei Uhr hing in der Büroteeküche der Geruch von Instantkaffee. A-Jia spülte gerade seine Kaffeetasse, das Wasser rauschte, da lehnte sich der alte Zhou aus der Nachbarabteilung mit seiner Thermosflasche herüber und fragte plötzlich mit gedämpfter Stimme: „Kauft ihr Jungen heutzutage noch dieses Zeug? Also dieses … japanisches Fuji-Kraut.“ A-Jia erstarrte, die Tasse wäre ihm fast aus der Hand gerutscht, und er fragte zurück: „Was ist das? Ein Nahrungsergänzungsmittel?“ Der alte Zhou antwortete nicht, lächelte nur geheimnisvoll und sagte, sie könnten abends weiterreden. Diese Szene sah der Vertriebler A-Hong, der gerade hereinkam. Während er einen Teebeutel aufriss, warf er ein: „Davon habe ich schon gehört, aber jeder erzählt etwas anderes. Manche sagen, es stärke die Kraft, manche sagen etwas anderes, und am Ende weiß ich auch nicht mehr, was stimmt.“
So standen die drei Männer neben dem Wasserspender und packten jeder ihre eigene Version des Verständnisses aus. Der siebenundfünfzigjährige alte Zhou sagte, er habe in jungen Jahren von Älteren davon gehört, es sei „etwas für Männer“, aber nach Details habe er nicht gefragt, weil man in jener Zeit über solche Themen am Esstisch nicht sprechen konnte. Der vierunddreißigjährige A-Hong sagte, er sei auf einer Online-Shopping-Plattform über ähnlich benannte Produkte gestolpert, die Seite sei voller blumiger Beschreibungen gewesen, aber keine einzige Zeile habe er verstanden, also habe er sie einfach geschlossen. Der siebenundzwanzigjährige A-Jia hatte noch nie davon gehört und fand nur, dass das Wort wie ein Medikament und zugleich wie ein Nahrungsergänzungsmittel klang, so verschwommen, dass es ihm unangenehm war. Keiner konnte den anderen überzeugen, am Ende sagte der alte Zhou nur: „Dann sucht es eben selbst heraus“, die Besprechung begann, und das Thema verlor sich im Dampf der Teeküche.
Zurück an seinem Platz ließ A-Jia dieser halbe Satz keine Ruhe. Nahrungsergänzungsmittel interessierten ihn nicht besonders, aber dieses Gefühl, dass „jeder etwas anderes sagt“, behagte ihm nicht. Er öffnete die Suchleiste, tippte ein paar Stichwörter ein, und die Ergebnisse verwirrten ihn noch mehr: Manche Seiten stellten es als Wundermittel dar, andere mahnten Leser, auf Herkunft und Kennzeichnung zu achten, und in manchen Foren ging es eher darum, „wo man überhaupt fragen sollte“ als darum, „ob es wirkt“. A-Jia starrte auf den Bildschirm und dachte: Wenn schon der Name nicht klar erkennen lässt, ob es ein Lebensmittel oder ein Arzneimittel ist, dann sollte man zuerst nicht nach der Wirkung fragen, sondern danach, in welche Kategorie es überhaupt fällt.
Am nächsten Mittag kam A-Hong von sich aus zu A-Jia und sagte, er habe gestern Abend aus Neugier nachgeschaut und festgestellt, dass die Seiten, die er zuvor gesehen hatte, tatsächlich verschiedene Arten von Produkten vermischten. Manche seien Lebensmittel, manche könnten unter Arzneimittelrecht fallen, und die Kennzeichnungsvorschriften und Bezugswege seien völlig unterschiedlich. A-Hong sagte: „Ich dachte ursprünglich, es sei alles ungefähr gleich, aber allein ob man Inhaltsstoffe und Warnhinweise auf der Verpackung versteht, macht einen großen Unterschied.“ Dieser Satz brachte A-Jia auf eine konkrete Idee: Statt sich im Internet von den verschiedensten Aussagen treiben zu lassen, könnte man jede gehörte Version auflisten und sich Zeile für Zeile fragen: „Wer sagt das?“, „Gibt es eine nachprüfbare Kennzeichnung?“ und „Muss das von Fachleuten bestätigt werden?“ Er nahm einen Notizzettel, schrieb links die Gerüchte, rechts die überprüfbaren Hinweise und zog dazwischen eine Linie.
Diesen Notizzettel sah später der alte Zhou. Er wollte eigentlich nur vorbeigehen, sah A-Jia schreiben und kam näher, um zu fragen, womit er beschäftigt sei. A-Jia schob ihm den Zettel hin und sagte: „Ich sortiere, was die Leute erzählen und was ich wirklich herausfinden kann.“ Der alte Zhou schwieg ein paar Sekunden und sagte dann plötzlich: „Eigentlich habe ich neulich gefragt, weil meine Frau vor einer Weile eine Schachtel mitgebracht hat. Sie sagte, eine Freundin habe sie empfohlen. Ich habe lange hingeschaut und nicht gewusst, was das ist, und mich nicht getraut, sie zu fragen, deshalb wollte ich zuerst euch Junge fragen.“ Diese Wendung überraschte A-Jia. Der alte Zhou verstand es also nicht, er wusste es ebenso wenig. Die drei gingen die Punkte auf dem Zettel noch einmal durch und stellten fest, dass es erschreckend wenig wirklich gesicherte Informationen gab. Die meisten Aussagen blieben auf der Ebene von „Ich habe gehört“.
A-Hong schlug vor, statt weiter zu raten, die Fragen zu konkretisieren: Wenn auf der Verpackung eines solchen Produkts „Lebensmittel“ steht, dann ist es kein Arzneimittel. Wenn Kennzeichnung oder Herkunft unverständlich sind, sollte man zuerst Fachleute fragen und sich nicht auf Hörensagen unter Freunden verlassen. A-Jia ergänzte, er habe beim Recherchieren einen sehr praktischen Hinweis gesehen: Man solle eine Liste aller anderen Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente mitbringen, die man gerade einnimmt, weil man bei Betrachtung nur eines Produkts leicht mögliche Wechselwirkungen übersehe. Das waren keine tiefsinnigen Schlussfolgerungen, aber die drei hatten zum ersten Mal das Gefühl, dass man auch „Nichtwissen“ in einer Liste ordnen kann, statt nur peinlich zu lächeln.
Am Abend brachte der alte Zhou die Schachtel tatsächlich mit ins Büro. Die Schrift auf der Außenverpackung war sehr klein. Er setzte seine Lesebrille auf und las Zeichen für Zeichen vor. A-Jia half ihm, die auf der Verpackung angegebene Produktkategorie nachzuschlagen, und A-Hong markierte die unverständlichen Fachbegriffe. Die drei lösten ein wenig unterhaltsames Rätsel, und zwischendurch lachten sie darüber, ob ein bestimmter Begriff nun japanisch oder chinesisch ausgesprochen werden sollte. Am Ende beschlossen sie, die markierten Fragen in eine nahegelegene Apotheke zu bringen. Zumindest wollten sie zuerst klären, zu welcher Kategorie diese Schachtel gehört, und dann entscheiden, ob sie weiter darüber reden. Als der alte Zhou die Schachtel zurück in die Tasche steckte, sagte er: „Ich habe so lange gefragt, und die Antwort ist, dass man Menschen fragen muss, nicht Freunde.“
Später legte A-Jia den Notizzettel in seine Schublade. Er hatte keine spektakuläre Schlussfolgerung gewonnen und seine Lebensgewohnheiten dadurch nicht verändert, aber er hatte vage das Gefühl, dass diese Erfahrung praktischer war als jeder Online-Artikel. Denn er hatte nicht den Namen eines Produkts gelernt, sondern eine Reihenfolge im Umgang mit unbekannten Gesundheitsinformationen: zuerst die Kategorie klären, dann die Kennzeichnung prüfen und schließlich die unsicheren Punkte Fachleuten vorlegen. Was das in der Teeküche erwähnte Stichwort betraf, so schrieb er beim Ordnen seiner Notizen nur leise die vier Zeichen für japanisches Fuji-Kraut neben den Titel, als Erinnerung daran, dass diese Sache mit einem Scherz begonnen hatte und damit endete, dass drei Männer gemeinsam in eine Apotheke gingen und die Fragen klärten.
Dieser Text will niemandem sagen, was er kaufen oder nicht kaufen soll. In A-Jias Notizzettel blieb die linke Spalte am Ende noch ziemlich leer, weil manche Aussagen eben nicht aus dem Mund von Freunden beantwortet werden können. Sicher war er sich nur in einem: Wenn ein Begriff gleichzeitig in Scherzen, Gerüchten und Einkaufsseiten auftaucht, ist das Einfachste, mitzumachen, und das Schwierigste, innezuhalten und zu fragen: „Was ist das eigentlich?“ Die Teeküche von jenem Nachmittag war wieder still, der Wasserspender lief wie immer, aber die Art, wie die drei über solche Themen sprachen, war tatsächlich nicht mehr ganz dieselbe wie früher.