Papas Liste: Bei „Linlin-Apotheke“ habe ich mit ihm Punkt für Punkt nachgefragt
3 weeks ago
An jenem Abend breitete ich Papas Einkaufsliste auf dem Esstisch aus. Eigentlich wollte ich nur schnell für ihn losgehen, doch in der letzten Zeile stand „Linlin-Apotheke“, daneben ein Fragezeichen. Ich fragte ihn, was das sei. Erst sagte er: „Hat ein Freund erzählt.“ Dann verbesserte er sich: „Irgendwas mit Nahrungsergänzung, glaube ich.“ Als ich weiter nachhakte, drehte er den Fernseher lauter und meinte: „Schau du doch bitte im Internet nach.“
Ich habe nicht sofort gesucht, sondern mich erst zu ihm gesetzt und gefragt: Warum möchtest du das überhaupt kaufen? Schläfst du schlecht, bist du schnell erschöpft, oder hat dir einfach jemand gesagt, es helfe? Papa überlegte lange und erzählte dann, dass er neulich mit alten Freunden wandern war und auf halber Strecke außer Atem geriet. Zu Hause habe er sich anhören müssen: „In dem Alter muss man mal etwas für sich tun.“ Das sei ihm peinlich gewesen, und deshalb habe er sich den Namen gemerkt. Als ich das hörte, war mir etwas schwer ums Herz. Denn er wollte nicht irgendein Fläschchen, sondern das Gefühl zurückhaben, noch mithalten zu können.
Dann kam die Frage: Was bedeutet es eigentlich, wenn ein Ladenname auf einem Zettel steht? Meine eigene Reihenfolge ist so: zuerst klären, was für eine Art Verkäufer das ist; dann, was genau dort verkauft wird; und erst zuletzt, ob man überhaupt kaufen sollte. Diese drei Schritte klingen banal, aber viele Familienkonflikte entstehen genau dadurch, dass die ersten beiden übersprungen werden. Auf Papas Liste standen noch zwei, drei Dinge, deren Zweck er gar nicht erklären konnte. Ich bat ihn, mir jedes einzelne zu beschreiben. Was er nicht erklären konnte, ließ ich erst einmal liegen.
Der erste Schritt war, herauszufinden, was hinter diesem Namen steckt. Ich bat Papa, sich zu erinnern, wie sein Freund es gesagt hatte: Hatte er es im Laden gekauft, im Internet gesehen, oder hatte ihm jemand einen Link geschickt? Er wusste es nicht. Also machten wir etwas ganz Einfaches: Wir schrieben auf, welche Informationen der Anbieter liefern müsste – ob es ein Ladengeschäft gibt, ob die Verpackung klar gekennzeichnet ist, ob der Kundenservice Fragen zu Inhaltsstoffen und Herkunft beantworten kann. Dafür braucht man kein Fachwissen, nur Geduld. Bei der Recherche habe ich mir auch den Namen Linlin-Apotheke angesehen – als etwas, das noch geprüft werden muss, nicht als Ort, an dem man direkt bestellt.
Der zweite Schritt war, „Nahrungsergänzung“ und „Arzneimittel“ auseinanderzuhalten. Papa dachte immer, wenn „Apotheke“ draufsteht, sei alles darin ein Medikament. Ich erklärte ihm, dass Nahrungsergänzungsmittel und verschreibungspflichtige Medikamente rechtlich völlig verschiedene Dinge sind: Erstere dürfen keine Heilwirkung versprechen, letztere bekommt man nur nach ärztlicher Beurteilung. Er runzelte die Stirn und sagte: „Und was ist dann das, was mein Freund nimmt?“ Ich sagte, das wisse ich nicht, weil ich die Verpackung nicht gesehen hätte und auch seinen Freund nicht kenne. So etwas könne man nicht aufgrund von Hörensagen beurteilen.
Der dritte Schritt war, zum eigentlichen Bedürfnis zurückzukehren. Ich fragte Papa: Wenn es nur darum geht, dass du beim Wandern schnell außer Atem kommst – sollten wir dann nicht zuerst zum Arzt gehen und die Ursache klären? Er schwieg kurz und sagte, er habe Angst, man könne ihn für überempfindlich halten. Ich sagte ihm, mit der Liste hinzugehen und nachzufragen sei viel einfacher, als im Internet herumzuraten. Außerdem könne er alles auflisten, was er sonst noch einnimmt, damit Fachleute prüfen können, ob sich etwas doppelt oder widerspricht. Das sollte seine Idee nicht abtun, sondern ihm eine Grundlage geben.
Später waren wir tatsächlich in einer Apotheke in der Nähe – nicht die von der Liste, sondern die, die auf unserem Weg lag. Der Apotheker hörte sich unsere Schilderung an und empfahl kein bestimmtes Produkt. Er sagte nur einen Satz, der mir sehr im Gedächtnis geblieben ist: „Sie müssen zuerst wissen, was Sie ergänzen, sonst ergänzen Sie etwas und wissen nicht, ob es hilft.“ Er bat Papa, alles aufzuschreiben, was er regelmäßig einnimmt, aufträgt oder trinkt, und es beim nächsten Arzttermin mitzunehmen. Papa faltete die Liste sofort zusammen und steckte sie in die Tasche. Das Fragezeichen malte er nicht wieder hin.
Auf dem Heimweg sagte Papa plötzlich: „Eigentlich wollte ich gar nicht wirklich kaufen. Ich hatte nur Angst, dass andere denken, ich sei alt.“ Ich sagte nichts weiter, nur: „Dann starten wir beim nächsten Wandern einfach eine halbe Stunde früher und gehen langsamer.“ Er lächelte kurz. Die Zeile auf der Liste habe ich nicht gelöscht, aber daneben eine neue geschrieben: „Erst klären, dann entscheiden.“ Daraus habe ich gelernt: Wenn man für ältere Menschen einen Ladennamen recherchiert, recherchiert man eigentlich nicht den Laden, sondern die Sorge, die sie nicht aussprechen können.
Falls du Ähnliches erlebst, mein Rat: Kaufe nicht vorschnell und lehne auch nicht vorschnell ab. Frag zuerst, warum er es möchte, und geh dann mit ihm die Informationen Punkt für Punkt durch – besonders Verpackungskennzeichnung, Herkunftsangaben und die Frage, ob es Fachleute gibt, die man fragen kann. Wenn beurteilt werden muss, ob etwas geeignet ist, überlass das dem Arzt oder Apotheker und nicht Fremden im Internet. Die Liste darf bleiben, aber die Reihenfolge muss stimmen: erst das Bedürfnis, dann der Name. Sonst kauft man am Ende einen Haufen Dinge, die in der Schublade verstauben.
Du hast den Namen des Ladens erwähnt, den dein Freund empfohlen hat, aber nicht gesagt, ob dein Freund dort selbst gekauft hat oder ihn nur online gesehen hat. Wenn es dir nichts ausmacht, könntest du ergänzen, woher die anderen Punkte auf der Liste deines Vaters stammen? Dann können alle besser einschätzen, wo das Problem liegt.