In der Hotelnacht stieß er auf japanisches 2H2D – und sie stritten darüber, wie man es auswählen sollte
4 weeks ago
Am dritten Tag nach seiner Rückkehr aus Osaka lag Chen Yantings Koffer noch immer aufgeklappt auf dem Boden des Gästezimmers. Socken, Papiertüten aus der Drogerie und mehrere Schachteln Mitbringsel lagen durcheinander. Als er sich hinhockte, um das Ladekabel zu suchen, berührten seine Fingerspitzen eine quadratische Pappschachtel. Auf der Verpackung stand japanischer Text, den er nicht lesen konnte, daneben eine einfache Strichmännchen-Zeichnung. Er brauchte zwei Sekunden, bis ihm einfiel, dass er sie in der Drogerie in Shinsaibashi einfach mitgenommen hatte.
Damals hatte er vor einem ganzen Regal gestanden, und fast keines der Produkte dort kannte er. Manche trugen Aufschriften wie „ausdauernd“, andere „sensibel“, wieder andere zeigten nur ein paar Katakana. Die Verkäuferin war mit dem Kassieren beschäftigt, er traute sich nicht zu fragen, und so wählte er nach Packungsfarbe das aus, das ihm am sympathischsten erschien, und legte es in den Einkaufskorb. Zurück in Taiwan verschwand die Schachtel in einer Innentasche des Koffers – und blieb dort tagelang liegen.
Was ihn wirklich dazu brachte, der Sache nachzugehen, war seine Freundin Lin Yiqing. An jenem Abend kam sie zum Essen zu ihm, räumte nebenbei sein verstreutes Gepäck auf, nahm die Schachtel in die Hand, warf einen Blick darauf und fragte, was das sei. Er sagte, er habe es in Japan gekauft. Sie nickte, sagte nichts weiter, aber dieses kurze Innehalten behagte ihm nicht. Später saßen sie auf dem Sofa und sahen fern, als sie plötzlich sagte: „Du hast das gekauft – denkst du, zwischen uns stimmt etwas nicht?“
Chen Yanting stockte. So weit hatte er gar nicht gedacht; er hatte es auf der Reise gesehen, war neugierig geworden und hatte es mitgenommen. Aber er gab auch zu, dass er insgeheim das Gefühl hatte, solche Dinge stünden für eine Art Mangel – deshalb hatte er nach dem Kauf nicht darüber sprechen wollen. Lin Yiqing hörte zu, wurde milder im Ton und sagte, es gehe ihr nicht um das Produkt selbst, sondern darum, dass er alles allein entschieden und nichts gesagt hatte.
Am nächsten Tag in der Mittagspause saß Chen Yanting in der Teeküche der Firma und scrollte auf dem Handy, um herauszufinden, worin sich solche Produkte überhaupt unterscheiden. Er tippte ein paar Stichwörter ein, und die Ergebnisse machten ihn nur noch verwirrter: Die einen sagten, man müsse auf die Inhaltsstoffe achten, die anderen auf die Konzentration, wieder andere auf das Herkunftsland, und manche meinten, es komme darauf an, ob es ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel sei. Er hatte gedacht, es sei ein einfacher Vergleich – doch jeder Artikel setzte andere Schwerpunkte, und einige widersprachen sich sogar.
Später merkte er, dass er eigentlich keine Antwort auf die Frage „Welches ist das beste?“ brauchte, sondern eine Methode, um zu urteilen. Er begann, die gefundenen Informationen in Kategorien zu sortieren: Erstens die Angaben auf der Verpackung, also Inhaltsstoffe, Hersteller, Aufbewahrung; zweitens die Herkunft, ob das Produkt über einen regulären Vertriebsweg bezogen wurde; drittens der Verwendungszweck, ob es sich um ein gewöhnliches Produkt handelt oder um eines, das von Fachleuten eingeschätzt werden sollte. Ihm fiel auf, dass viele Diskussionen sofort über die Wirkung sprachen, aber nur selten auf diese grundlegenden Informationen zurückkamen.
An einem Wochenendnachmittag kam Lin Yiqing zu ihm und sah auf dem Tisch sein Notebook und ein paar handschriftliche Notizen liegen. Sie beugte sich herüber und stellte fest, dass er die unterschiedlichen Kennzeichnungen verschiedener Produkte verglich und unklare Stellen eingekreist hatte. Sie lachte und sagte: „Seit wann bist du so gewissenhaft?“ Er antwortete, weil er nicht wollte, dass sie wegen einer Schachtel wieder feststeckten. Sie überlegte und schlug vor, beim nächsten Mal gemeinsam in eine Apotheke oder Praxis zu gehen, die Fragen vorher auf eine Liste zu schreiben und direkt Fachleute zu fragen, statt sich im Internet Bruchstücke zusammenzusuchen.
Chen Yanting fand den Vorschlag sehr praktisch. Er öffnete die Suchseite erneut und ordnete die verstreuten Stichwörter zu einigen klaren Fragen: Wie werden solche Produkte in Taiwan eingestuft, was bedeuten die Angaben auf der Verpackung, und worauf muss man achten, wenn man gleichzeitig andere Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel verwendet? In einer der Diskussionen sah er außerdem den Namen japanisches 2H2D und begriff, dass es unter derselben Marke verschiedene Produkte gibt, deren Verpackungen ähnlich aussehen, deren Kennzeichnungen sich aber unterscheiden – kein Wunder, dass er damals vor dem Regal so wahllos gewählt hatte.
Die beiden suchten schließlich wirklich an einem Nachmittag unter der Woche mit der Schachtel und Chen Yantings handgeschriebener Liste die Apotheke in der Nähe auf. Der Apotheker beurteilte nicht für sie, ob sie es verwenden sollten, sondern riet ihnen, zuerst die Angaben auf der Verpackung und die Herkunft genau anzusehen, außerdem alle anderen Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel aufzulisten, die sie einnahmen, und bei Bedarf einen Arzt oder Apotheker zu konsultieren. Als sie aus der Apotheke traten, sagte Lin Yiqing, es sei ihr eigentlich egal, was er gekauft habe; wichtig sei, ob er bereit sei, klar zu reden. Chen Yanting nickte und faltete die Liste zusammen, um sie in die Tasche zu stecken.
Die quadratische Schachtel wanderte später in eine Schublade – weggeworfen wurde sie nicht sofort, besonders verwendet aber auch nicht. Chen Yanting sucht gelegentlich noch im Internet nach Informationen, doch inzwischen fragt er sich zuerst: Woher stammt diese Information, gibt es Kennzeichnungen zum Abgleichen, und sollte ich Fachleute fragen? Er stellte fest, dass ihm nicht ein bestimmtes Produkt Sicherheit gab, sondern das Wissen, wie er bei Unsicherheiten Schritt für Schritt nachforschen und es mit den Menschen um sich herum besprechen kann.
Lin Yiqing sagte ihm später, auch sie sei an jenem Abend auf dem Sofa nervös gewesen und habe befürchtet, ihre direkte Frage könnte ihn in Verlegenheit bringen. Chen Yanting sagte, er habe gedacht, solche Dinge müsse er still mit sich selbst ausmachen, doch nachdem sie offen geredet hatten, sei es viel leichter geworden. An ihren Lebensgewohnheiten änderte sich dadurch nichts; sie hatten nur eine gemeinsame Haltung gewonnen: Bei Produkten oder Informationen, die sie nicht verstehen, erst gemeinsam Klarheit schaffen, nicht vorschnell urteilen und Schweigen nicht als Antwort nehmen.
Als nächsten Schritt können Sie die Liste am besten zuerst dem Apotheker vorlegen und fragen, welche Punkte vom Arzt bestätigt werden müssen.