Drei chinesische Männer in Thailand entführt – mutmaßlich zur Weiterverbringung in ein Betrugs-Camp in Myanmar – Polizei nimmt vier thailändische Verdächtige fest
(Bangkok, 30. dpa/AP) Drei chinesische Männer sind Opfer eines Betrugs mit angeblicher „Arbeit in Thailand“ geworden. Nach ihrer Ankunft wurden sie von Tätern mit Klebeband die Augen verbunden, mit Handschellen gefesselt und mit Seilen im Fahrzeug festgebunden. Als sie gerade an die thailändisch-myanmarische Grenze und weiter in ein Betrugs-Camp gebracht werden sollten, befreite die Polizei sie bei einer Straßenkontrolle.
Die thailändische Polizei errichtete in den frühen Morgenstunden des Donnerstags auf der Straße von Tak nach Mae Sot eine Kontrollstelle. Dabei fiel ein Pick-up auf, der plötzlich in eine ländliche Straße abbog, offenbar um der Kontrolle zu entgehen. Die Beamten postierten sich daraufhin vor dem Fahrzeug und stoppten den Pick-up. Im Fahrzeug fand die Polizei vier Thailänder sowie drei chinesische Männer, die fest gefesselt waren.
Der 33-jährige Fahrer Watchara gab an, von einem Mann angeheuert worden zu sein, um die drei chinesischen Männer vom Dorf Nabo im Bezirk Wang Chao in Tak zum Dorf Huai Luang im Bezirk Mueang Tak zu bringen. Für jede an den Zielort gebrachte Person habe es 3.000 Baht (rund 360 Ringgit) gegeben; für den Transport von drei Personen also insgesamt 9.000 Baht (rund 1.084 Ringgit). Das Geld sollte jedoch erst nach der Ankunft am vereinbarten Ort vom Auftraggeber ausgezahlt werden.
Die Polizei bestätigte, dass alle drei Opfer Pässe besaßen und legal nach Thailand eingereist waren. Sie seien vermutlich mit einem Arbeitsangebot in Thailand geködert und nach der Einreise in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt worden. Die Polizei vermutet, dass die Hintermänner ursprünglich geplant hatten, die drei Männer an die thailändisch-myanmarische Grenze und von dort an ein Betrugs-Camp in Myanmar zu übergeben.
Im Pick-up fand die Polizei später zwei Paar Handschellen, zwei Rollen gelbes Klebeband, zwei Nylonseile, zwei Elektroschocker und zwei Schlagringe. Den vier thailändischen Verdächtigen wird gemeinschaftliche rechtswidrige Freiheitsberaubung und die Entziehung der persönlichen Freiheit anderer zur Last gelegt.
Die thailändische Nationalpolizeibehörde ordnete am Freitag eine beschleunigte Untersuchung an. Im Mittelpunkt stehen die Auftraggeber der vier Verdächtigen, die Personen, die die drei Chinesen nach Thailand gelockt haben, sowie die Frage, ob ein grenzüberschreitendes Transportnetzwerk besteht.
Die drei befreiten chinesischen Männer wurden dem thailändischen National Referral Mechanism (NRM) zugeführt, um sie als mögliche Opfer von Menschenhandel zu identifizieren und zu klären, ob der Fall Täuschung bei der Anwerbung, Zwangsarbeit oder grenzüberschreitenden Menschenhandel betrifft.
Der Fall zeigt erneut, dass Arbeitssuchende selbst bei legaler Einreise nach Thailand in Arbeitsbetrugsfallen und Menschenhandelsnetzwerke geraten können.








Der Kern des Problems ist, dass auch eine legale Einreise nicht davor schützt, später unter Kontrolle zu geraten – allein auf das Visum zu schauen, bringt nichts. Entscheidend ist, wer an der Quelle Leute anwirbt und welche Arbeit versprochen wird. Vor der Abreise sollten Arbeitgeber und Reiseverlauf genau geprüft werden, statt sich nur auf Empfehlungen von Bekannten zu verlassen.